Wie sich alles fand:

Alors,

nach einer Planungsphase von zwei Jahren schafften Kerstin und ich (Björn) es endlich zu einer Jamsession im Bunker – im Proberaum meiner ehemaligen Band 'Shelby' (Marsh-Marigold-Records).

1999 war das. Die erste "Probe" eines Projektes, das wir vorerst 'Hormonolog' nannten. Ein großartiger Name für das, was wir vorhatten. Zusammen Musik machen und gucken, was passiert. Und es passierte was. Ich spielte ein paar Takte auf der Gitarre und Kerstin sang einfach eigene französische Gedichte darauf. Bums. Es saßen zwei Stücke. Es kickte und war gleichzeitig schmalzig. So wie Banane-Knoblauch-Eis. Kerstins erster Versuch, mit einem Instrumentalisten statt einer A-cappella-Gruppe zu singen, fruchtete (Früchtetee?).

Kai-"Piranha" würde ich ihn gerne nennen, aber er ist zu friedfertig, also Kai, kannte ich schon ein paar Jahre. Damals sagte der inzwischen letzte Raucher der Band zu mir: "Wenn du dir jetzt (im Bus in Portugal bei weißichnichtwieviel Grad) eine ansteckst, machst du dir einen Feind!".

"Piranha", dachte ich, "kannst du Bass spielen?" .....nein, nein so schnell ging das nicht. Erst knapp 10 Jahre später, seine Band 'Crunchy Frogs' spielte nicht mehr und sein ehemaliger Gitarrist Justus war inzwischen mein Gitarrenlehrer, sollte er zu uns stoßen. "Das einfache Liedgut, eine hohe Kunst", sagt er immer.

Schlagzeuger. Wer kennt schon einen Schlagzeuger und gibt es dann auch noch zu? Die sind schwer zu finden und schwer aus dem Bett zu kriegen. Aber irgendwie fand Kerstin einen. Der rockte uns die Bude weg, fand uns unstrukturiert und "das geht gar nicht" gibt’s bei uns halt nicht. Bei ihm schon. Er ging. Egal, wir hatten eh keinen Platz für ein drittes Schlagzeug im Proberaum.

Und wer will den ganzen Scheiß bei einem Auftritt schleppen?

Jemand mit eigenem Auto. Vielleicht ein Franzose. Kerstin war zu der Zeit zufällig die Trainerin eines französischen Musikprogrammierers, der, wie sich herausstellte, ein eigenes Auto hatte. Ach ja: und Schlagzeug spielte er auch noch und zwar gut. Yvan, fast Schweizer (französisches Seeufer), inzwischen in Hamburg wohnhaft und Vater, spielt einen sehr leisen Stil mit Hang zu kleinen brillanten Feinheiten. Wenn wir noch weiter spielen, kaut er sich die Unterlippe durch. Er kann da nichts gegen machen, wenn er sich konzentriert (siehe Fotos).

Wir brauchten einen Namen, einen neuen oder zumindest desinfizierten Proberaum, neue Stücke und Zeit uns kennen zu lernen. Alles ergab sich. Außer dem Namen, der fand sich erst im Studio in Bendestorf. Wir nahmen sieben Stücke auf und mussten entscheiden, wie wir letztendlich klingen wollten.

Nach langem Überlegen stellten wir fest, dass unsere Musik und meine Email-Adresse hervorragend zusammenpassten. Piroschka – klar man denkt zu Recht an "Ich denke oft an Piroschka", diesen wundervollen Film mit Liselotte Pulver und zugleich Namensgeber der charmantesten Katze der Welt, die der Charakter "Lassdas Pinockl Superstar" aus einem Hörspiel von Henning Venske zum Superstar machte.

Die Chansons entstehen oft aus Fragmenten. Patchwork über Monate, bis wir alle ganz zufrieden sind. Aber seltsamer Weise so, dass man nicht einmal die Tonart der Einzelteile abstimmen muss. Sie müssen einander nur finden. Andere Lieder kommen "am Stück"; mit Gesangsmelodie und Text von weißichwoher und entstehen in zwei Stunden. Da frag ich auch nicht nach "woher?", die sind dann da und schreiben sich von oben nach unten. Yvan und Kai steuern entweder eigene Stücke oder eben auch Fragmente bei. Die Texte sind meist von Kerstin auf französisch geschriebene und von Yvan Korrektur gelesene Alltagsgeschichten. Liebe, klar es ist ja Chanson-Pop und Verwirrungen, skurrile Situationen einer Blumenmuschel oder Hormonologe. Uns alle verbindet dabei die Vorliebe für die französische Sprache und der überzeugte Schmalz als Kunststil. Wir kombinieren groovende 5/4tel Takte mit 3/4 Schmachtwalzer und es macht Spaß.

Wer das hören soll? Keine Ahnung, wir lieben es jedenfalls.

Nach diversen Auftritten und vielen neuen Stücken hat sich unser Stil manifestiert. Er lässt immer deutlicher den klassischen französischen Chanson in der Fusion mit Gitarrenpop und Jazz erkennen, in Liedern, die zunehmend tanzbar werden. Es musste ein neuer Name her, der uns treffender beschreibt.

Das war die Geburt von JEAN TRAVOLTAIRE. Einem Wesen aus Musik und Lebenslust.

Uns fehlte nur noch eins. Ein Piano oder vielmehr jemanden, der darauf spielt. Constantins Band „Mondkind“ spielte mit uns zusammen in der Hamburger Ponybar ihr letztes Konzert. Nach dem Auftritt ging ich sofort zu ihm und bat ihn bei uns einzusteigen. Nach der ersten gemeinsamen Probe war klar, dass er uns gefehlt hatte. Sein Stil fügte sich so perfekt in unser Songwriting ein, dass wir ihn nicht mehr wegdenken konnten.

Aber wir mussten. (Cons-)TinTin, wie er inzwischen hieß, ging für seine wissenschaftliche Karriere nach Paris.

Dann kam Kalle. Und es war, als wäre er immer da gewesen. Ursprünglich war er einer der Ersten, die gefragt wurden bei uns Piano zu spielen, also erste Wahl. Nur kam er etwas später, versteht aber das Gefühl von Jean Travoltaire so gut, dass er den Sound wirklich voran bringt.

Zudem kennt Kalle die Namen für meine krummen Akkorde, so dass wir sie endlich einmal aufschreiben können. Vielleicht entsteht ja bald unser Songbook der rund 40 Stücke, die seit der Gründung der Band geschrieben wurden, performed von:


Jean Travoltaire

Kerstin Heahnel (vox),

Björn Becker (vox, guit), Carsten Sander (p),

Kai Vansbotter (b) und Yvan Grabit (d)


 

Seltsam, aber so steht es geschrieben.

Björn

(Bjean Travoltaire)


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